Hollerith
    Electric
    Tabulating
    System
    (HETS)

    1890

 

Vorgeschichte

Herman Hollerith hat nach seinem Studium, das er 1879 als Bergwerks-Ingenieur abschloß, 1880 im 10. Census (Volkszählung) der USA mitgearbeitet. Dieser Census ist nicht nur eine Volkszählung, sondern umfaßte auch eine Betriebsstätten-Zählung.
  Holleriths Arbeit war die statistische Aufbereitung der Daten über „Die Nutzung der Wasser- und Dampf-Kraft in der Eisen- und Stahl-Industrie". Auch konnte er die Auswertungs-Arbeit in der Volkszählung überhaupt beobachten.
  In den folgenden Jahren bekam Hollerith Gelegenheit, medizin-statistische Arbeiten, wie Sterblichkeits-Statistiken, auszuführen.
  Die Mühsal dieser handschriftlichen und dadurch zeitaufwendigen Arbeiten haben Hollerith veranlaßt, nach einer Methode zu suchen, die solche Daten-Auswertungen erleichtert und beschleunigt.

Hollerith's Erfindung

  Grundgedanke.

1) Übertragung der Daten auf eine Karteikarte durch Lochung mit einer Schaffnerzange an vorgegebenen Stellen. Diese Karte nannte er Lochkarte (Punch Card);
2) Abfühlung der Lochkarte mit Abfühl-Stiften (dünne Metall-Stifte) und dadurch schließen eines Stom-Kreises und
3) Weiterbewegung einer elektro-mechanischen und Zähluhr um eine Stelle.
   Dabei tauchen die Abfühl-Stifte in eine Vertiefung, gefüllt mit Quecksilber, und dienen als „Schalter" in elektrischen Stromkreisen für die Weiterschaltung der Zähluhren. Ein Akkumulator lieferte den elektrischen Strom.
   Bei jeder Schalterschließung bewegte sich der Zeiger einer Zähluhr um eine Position weiter. (22 Zähluhren (weiße Quadrate) im oberen Teil der Abbildung)
  Hierzu zwei Bemerkungen: Hollerith hat Quecksilber verwendet weil der Stift darin eintaucht und damit eine sicheren Schalterschluß ergibt. Ein Stab auf eine Metallfläche gedrückt kann, aber muß nicht zu einer Schaltung führen. Die Schaltfläche kann nur schwer dauerhaft sauber gehalten werden.
  Die zweite Bemerkung: Die Zählapparatur wurde stromlos geschaltet. Erst wenn die Abfühlstifte im Quecksilber waren, wurde durch einen separaten Abfühl-Stift, sozusagen der „Hauptschalter", das HETS „unter Strom" gesetzt.
  Die Abfühlstifte sind in einer Abfühleinrichtung (The Press) zusammengefaßt. (rechts unterhalb der Zähluhren)

Sortierkasten


  Hollerith berücksichtigte auch, dass die Lochkarten für eine folgende Auswertung bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen.
   Beispiel: Die Lochkarten für die Zählbezirke sollen nach Altersgruppen und für Männer und Frauen getrennt ausgewertet werden.
  Folglich schloß Hollerith an seine Zahl-Apparatur einen Sortierkasten (Sorting Box) mit zweimal 12 Sortier-Fächern an (rechts auf dem Bild).

Erste Erprobungen

  Die erste Anwendung seines Zähl- und Sortier-Systems - eine medizin-statistische Auswertung - erfolgte 1886 in Baltimore, USA. Es folgten ähnliche Auswertungen in New Jersey und New York.
  Diese Vorstufe seines Zähl- und Sortier-Systems hatte noch nicht die oben gezeigte Form, die erstmalig 1890 im US Census verwendet wurde.
   Hollerith machte als Privatperson im September 1888 seinen ersten Vertrag für die Verwendung seiner Erfindung mit dem Surgeon General 's Office (SGO) im US War-Department.
   Das Ergebnis dieser Arbeit - die Schnelligkeit bei der Auswertung - war so überzeugend, dass das SGO bei seiner vorgesetzten Instanz erfolgreich für eine Vertrags-Verlängerung war.
   Die USA hatten 1880 62,622,250 Einwohner., erfaßt durch 12,690,151 Familien-Erfassungsbogen. Die handschriftliche Auswertung dieser Census-Daten dauert bis etwa 1887.
   1889 stand man vor dem 11. Census. Man wußte, dass die US Bevölkerung um etwa 30 % zugenommen hatte. Und sah in dem Hollerith Electric Tabulating System die einzige Möglichkeit, die Auswertung überhaupt und in einer wesentlich kürzeren Zeit auswerten zu können.

1890: 11. US Census


   Für diese Volkszählung hat Herman Hollerith das hier gezeigte „Elektrische Zähl- und Sortier-System"(HETS) entwickelt und bauen lassen. Davon wurden 1890 bis zu 96 HETS eingesetzt.
  
   Das Hollerith Electric Tabulating System umfaßt die Zähluhren mit der rechts davor zu sehenden, hand-bedienten Lochkarten-Abfühleinrichtung (The Press). Sie hat soviel Abfühlstifte wie Lochpositionen auf der Lochkarte sind.
  Darüber sind die „Zähl-Uhren" zu sehen.
  Rechts steht der Ablage-Kasten (Sorting Box; 2x12 Fächer), in dem die abgefühlten Lochkarten abgelegt werden. Dadurch ergibt sich die Sortierung der Lochkarten für eine nachfolgende Auswertung.
   Relais wurden benutzt, um die Abfühlstifte, Zähluhren und Sortierfächer miteinander zum Programm zu verbinden.
   Das HETS muß also für eine Daten-Auswertung „geschaltet" (oder, wie wir heute sagen würden, „programmiert" werden. Es gab jedoch 1890 in USA keine „Schalttafel" im HETS.
   Die Schaltung des HETS - die komplizierte Zusammenschaltung von Abfühlstiften, Zähluhren und Sortierablagefächern erfolgte über Relais durch Schraubanschluß der Verdrahtung. Das Anlöten der zahlreichen Draht-Verbindungen wäre unsicher gewesen.

Das Hollerith Electric Tabulating System
ist der Beginn
- nicht nur - der elektro-mechanischen Datenverarbeitung,
- sondern auch - der maschinellen Datenverarbeitung insgesamt.


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